Brand im Krefelder Affenhaus: Ist der technische Brandschutz unbrauchbar?

In der Silvesternacht bricht im Affenhaus des Krefelder Zoos ein Feuer aus. In kürzester Zeit brennt das Gebäude völlig aus, 30 Tiere sterben bei dem Brand. Kurz darauf beginnt die Diskussion um die Ursachen des Brandes und den Brandschutz vor Ort.

Bei einem verheerenden Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos sind in der Silvesternacht mehr als 30 Tiere umgekommen. Das Gebäude selbst brannte komplett aus. Der Brand wurde nach Angaben der Polizei durch Himmelslaternen ausgelöst.

Himmelslaterne beim Flug (Symbolbild)

Eine Himmelslaterne, oder auch Kong-Ming-Laterne, ist ein Lampion in Leichtbauweise, der in die Luft aufsteigen kann. Der Auftrieb wird durch Erwärmung der im Ballon-Körper enthaltenen Luft mittels einer eigenen Feuerquelle erzeugt. Ab Anfang der 2000er-Jahre wurden Himmelslaternen auch in Europa bekannt; nach einem heftigen, aber kurzen Verkaufserfolg allerdings in Deutschland, Österreich und Liechtenstein sowie in manchen Gebieten der Schweiz verboten. Käuflich erworben werden dürfen diese zwar immer noch, der Gebrauch ist allerdings verboten. Eine Himmelslaterne entzündete demnach ein Feuer auf dem Dach des Affenhauses und breitete sich innerhalb kürzester Zeit im gesamten Gebäude aus.

Gab es kein Brandschutzkonzept?

Die Ursache für den schnellen Brandverlauf ist offenbar woanders zu suchen. Aufgrund von fehlenden Brandabschnitten innerhalb des Gebäudes und vermutlich entflammbaren Baumaterialien sowie fehlenden Löscheinrichtungen und Brandmeldesystemen, konnte sich das Feuer innerhalb kürzester Zeit zu einem Vollbrand ausbreiten. In Neubauten werden heutzutage individuelle Brandschutzkonzepte erstellt, welche eine solch rasche Brandausbreitung vermeiden sollen. Laut Angaben des WDR existiert am Tag des Brandes für das Affenhaus in Krefeld ein Brandschutzkonzept aus dem Jahr 1975. Sprinkleranlagen und Brandmeldeanlagen waren damals schlicht nicht vorgeschrieben und damit nicht vorhanden. Wertvolle Erfahrungen, gewonnen aus den letzten 45 Jahren, beispielsweise aus Löscharbeiten der Feuerwehren, konnten damals noch nicht berücksichtigt werden. Somit ist das Brandschutzkonzept nicht mehr zeitgemäß und stellt heutzutage eher eine Gefahr dar, wenn man darauf vertraut und sich ggfs. in falscher Sicherheit wiegt. 

Warum wurde das Brandschutzkonzept nicht erneuert?

Grundsätzlich gilt: solange sich die Nutzung eines Gebäudes nicht ändert, besteht Bestandsschutz. Erst wenn sich wesentliche Änderungen ergeben, sind diese genehmigungspflichtig und müssen bei der zuständigen Baubehörde neu beantragt werden. Dies hat oft zur Folge, dass dann auch das Brandschutzkonzept nach den aktuellen Richtlinien und Gesetzgebungen angepasst werden muss.

Was tun wenn das Brandschutzkonzept in die Jahre gekommen ist?

Ein Brandschutzkonzept berücksichtigt bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen, welche eine Brandausbreitung vermeiden und gleichzeitig Menschen und Tiere rechtzeitig warnen soll. Veraltete Brandschutzkonzepte sollten nach den heutigen Erkenntnissen und nach dem aktuellen Stand der Technik begutachtet und ggfs. überarbeitet werden, selbst wenn der Bestandsschutz noch greift.

Was könnte zukünftig helfen? 

Ähnlich wie eine Justizvollzugsanstalt (JVA) benötigen Tiergehege ein sehr individuelles Brandschutzkonzept. Insassen oder Tiere können nicht einfach ins Freie evakuiert werden.  Was hier helfen kann, ist eine horizontale Verschiebung (Invakuierung). Sprich, man flüchtet nicht ins Freie, sondern in einen anderen Brandabschnitt bzw. in ein anderes Gehege/Außengehege. Mit technischen Lösungen können solche Evakuierungen auch voll automatisch ausgelöst und über eine Videoüberwachungsanlage, auch aus der Ferne, verifiziert und beobachtet werden. 
Dabei sollte ebenfalls das Sicherheitskonzept beachtet und ggfs. angepasst werden.  Sonderrauchmelder, wie beispielsweise Ansaugrauchmelder, können starke Verschmutzungen und hohe Luftfeuchtigkeit über Spezialfilter aussondern und zuverlässig einen Brand erkennen und alarmieren. Die Auswerteeinheit wird außerhalb des Geheges installiert. Über ein Rohrsystem im Gehege wird dauerhaft Luft angesaugt. Befinden sich Rauchpartikel in der Luft, wird über die Auswerteeinheit ein Alarm ausgelöst. So lassen sich automatisiert Türen und Tore öffnen und Tiere können in ein Außengehege flüchten. Solche Lösungen lassen sich auch gut im Bestand einrichten, wenn genügend Ausweichflächen vorhanden sind.  

Aber auch intelligente Videobildanalysen können einen Brand bereits während der Entstehung erkennen und rechtzeitig alarmieren. Technische, bauliche und organisatorische Maßnahmen sollten genau abgestimmt sein. 

Wie lange kann ich einen Brand zurückhalten? 

Diese Frage ist so pauschal einfach nicht zu beantworten. Es gibt verschiedene Faktoren, welche dabei betrachtet werden müssen. Wie schnell kann ich einen Brand erkennen? Wie schnell wird er zum Alarm gebracht? Wie schnell sind (ausreichende) Einsatzkräfte vor Ort? All diese Punkte sind mit der Zeit, welche vergeht, gekoppelt. Helfen kann aber auch ein aktuelles und auf der Höhe der Zeit befindliches Brandschutzkonzept. Dieses kann selbst solche Sondernutzungen wie einen Zoo oder ein Affenhaus berücksichtigen und technisch lösen.

Unsere Spezialisten stehen bei der Planung, Aktualisierung oder Sanierung von Brandschutzkonzepten bzw. Brandmeldeanlagen gerne zur Verfügung.

Ihr Autor Peter Dupach

Quellen:

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/brand-krefeld-zoo-affenhaus-102.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Himmelslaterne

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/nach-brand-in-krefelder-affenhaus-himmelslaterne-als-brandursache-vermutet-100.html