Brandschutz und Wirtschaftlichkeit

Was ist Brandschutz wert?

 1. Einführung

Seit Jahren wird das Thema Brandschutz und Wirtschaftlichkeit kontrovers diskutiert. Es gibt viele Sichtweisen – verschiedene Interessensgruppen bewerten die Wertigkeit des Brandschutzes für sich vollkommen unterschiedlich. Und für ihren jeweiligen Standpunkt haben sie alle berechtigte Gründe. Meinungsverschiedenheit ist somit zu würdigen. Daher werde ich mich diesem Thema aus verschiedenen Perspektiven nähern: Aus der gesellschaftlichen Perspektive, aus der Perspektive eines Versicherers und aus der Perspektive des Individuums am Beispiel eines Unternehmers.

 

2. Gesellschaftliche Perspektive

Wer trägt die Kosten des Brandschutzes? Der Steuerzahler? Der Arbeitgeber? Der Gebäudebetreiber? Der Bauherr? Der Mieter?

Vor allem in der gesellschaftlichen Perspektive ist die vorrangige Zielsetzung des vorbeugenden Brandschutzes die Erhöhung der Personensicherheit im Brandfall. Viele Unternehmer gehen davon aus, dass unsere Gesetzgebung überzogen sei und wir in Deutschland ohnehin auf dem allerhöchsten Brandschutzniveau seien. Eine Fehl-einschätzung. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland mit sechs Brandtoten pro 1 Mio. Einwohner den achten Platz und liegt dabei sogar hinter Spanien und Italien. Aber wie viele Brandschutzmaßnahmen sind unserer Gesellschaft zuzumuten? Wie viele Tote pro Jahr sind gesellschaftlich betrachtet akzeptabel?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort auf diese Frage die „Null-Vision“ zu sein. Dabei bemüht man sich die Anzahl der Brandtoten so weit wie möglich zu reduzieren. Dies scheint zunächst die einzige ethisch vertretbare Strategie im Umgang mit Personenrisiken zu sein. Allerdings ist es von einem praktischen Standpunkt aus betrachtet offensichtlich, dass es technisch und/oder wirtschaftlich unmöglich ist, Todesfälle durch Gebäudebrände vollends zu verhindern.

Für eine Beurteilung des Brandschutzwertes aus gesellschaftlicher Sicht ist allerdings weniger das absolute Niveau der Personensicherheit relevant, als vielmehr die Frage, mit welchem Aufwand Menschenleben durch Investition in Brandschutzmaßnahmen gerettet werden können.

 

2.1 Gesellschaftliche Forderung: Verhältnismäßigkeit

Die Mittel zu Verbesserung der Personensicherheit, welche der Gesellschaft zur Verfügung stehen, sind begrenzt und sollten bestmöglich eingesetzt werden. Verschiedene Brandschutzmaßnahmen stehen hier nicht nur im Wettstreit untereinander, sondern auch mit lebensrettenden Maßnahmen aus anderen Bereichen, zum Beispiel dem Gesundheitswesen, der Verkehrssicherheit oder dem Schutz vor Naturgefahren. Es sollte also auf Basis von Effizienzbetrachtungen entschieden werden, wie viel in Maßnahmen des Personenschutzes investiert wird. Hierfür ist eine Beurteilung der Grenzkosten für eine Erhöhung der Personensicherheit notwendig.

Es gibt so etwas wie einen „gesellschaftlich akzeptablen Bereich“. Das ist der Punkt, an dem jeder weitere Euro, der in den Personenschutz investiert wird, weniger effektiv ist als andere Mittel der Personen-Rettung. Ab einem gewissen Punkt macht es also deutlich mehr Sinn, in andere Mittel wie zum Beispiel den Rettungsdienst zu investieren, da hier mit dem gleichen Betrag mehr Menschen gerettet werden können.

Grenzkosten

Bild 1: Grenzkosten und der akzeptable Kostenbereich (Quelle: Fischer, Kohler, Fontana, Faber; ETH Zürich; Juli 2012)

 

Gesellschaftlich betrachtet machen Investitionen in den Brandschutz, welche über diesen Punkt hinausgehen, nur noch dann Sinn, wenn sie wirtschaftliche Optimierung bringen – also bis zum niedrigsten Punkt der „Totalkosten“ (Summe Vorsorgekosten und Brandschäden).

 

2.2 Das volkswirtschaftliche Gesetz des abnehmenden Grenznutzens

Bei niedrigem Sicherheitsniveau ist es grundsätzlich möglich, bereits durch kleine Investition eine Verbesserung zu erwirken. Wie man in Abbildung 1 erkennen kann, zeigen bei Personenrisiken und ebenso bei Brandschäden bereits erste Investitionen eine deutliche Wirkung.

Dagegen sind bei einem hohen Sicherheitsniveau große Investitionen notwendig, um die Sicherheit noch weiter zu erhöhen. Hier muss man also wesentlich mehr Geld aufbringen, um nur noch kleine Verbesserungen beim Personenrisiko und bei den Bauschäden zu erwirken.

 

3. Die Perspektive des Versicherers

Da der gesellschaftliche Blickwinkel doch etwas abstrakt ist, möchte ich nun etwas konkreter werden. Sicherlich kennen Sie die Aussage: „Bei mir hat es noch nie gebrannt!“ Die von Gebäudebetreibern recht beliebte Aussage verweist darauf, dass die Entstehung eines Brandes doch recht unwahrscheinlich ist. Noch unwahrscheinlicher ist – so die landläufige Meinung – der Totalschaden aufgrund eines Brandes.

Nun ist die Wahrscheinlichkeitsbetrachtung eine der Kernkompetenzen unserer Versicherer. So drängt sich förmlich die Frage auf, ob Gebäudebetreiber nun aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung eines Versicherers sinnvolle Schlüsse für oder gegen eine Investition in Brandschutz finden können.

Da unsere Versicherer über eine umfassende Datenbank an Schadensinformationen verfügen, scheint dieser Gedanke auf den ersten Blick auch recht plausibel. Zu beachten ist jedoch, dass eine Versicherungsgesellschaft nicht in Einzelschicksalen denkt, sondern in viel größeren Dimensionen. Der Versicherer hat bei der Bewertung des Risikos grundsätzlich sein komplettes Portfolio im Blick, nicht lediglich eines oder wenige Objekte.

Als Grundlage für die versicherungstechnische Wirtschaftlichkeitsrechnung ihres Portfolios ermitteln Versicherer ihr Risiko aus der Multiplikation von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß.

Versicherer verfügen über umfassende Daten für verschiedenste Gebäudenutzungen unter unterschiedlichsten Rahmenbedingungen und bewerten ihre Versicherungs-nehmer bzw. deren Risiken – in unserem Fall die betriebliche Brandgefährdung – mithilfe einer Risikomatrix.

Berechnungsgrundlage-1024x516

Bild 2: Visualisierung der Berechnungsgrundlage von Versicherern

 

Dabei werden Risiken als akzeptabel – also für die Versicherer wirtschaftlich – und nicht akzeptabel eingestuft. Mit ihren Bedingungen und in Verhandlungen mit ihren Kunden setzen Versicherungen bauliche Maßnahmen durch, um das Schadensmaß, den Maximum Probabel Loss (MPL), zu minimieren. Beispielsweise durch Komplextrennung oder Brandabschnittstrennung.

Um die Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadens zu reduzieren, werden konkrete Vorgaben zu organisatorischen Maßnahmen gemacht. Und da organisatorisch auch immer menschlich bedeutet und Versicherer nicht so naiv sind, an die Unfehlbarkeit des Menschen zu glauben, setzen sie in ihrem Portfolio auch technische Maßnahmen durch, wodurch sich sowohl Eintrittswahrscheinlichkeit als auch Schadensausmaß reduzieren.

 

4. Die individuelle Perspektive

Versicherer rechnen nicht für Individuen, sondern für das Portfolio. Kann das Individuum, also der einzelne Unternehmer, damit etwas anfangen? Ein Unternehmer möchte konkret wissen, was er zurück erhält, wenn er in Brandschutz investiert. Er möchte stets sicher gehen, dass er sein Geld nicht verschwendet, sondern gut investiert hat. Im Sinne seines Unternehmens und für dessen langfristigen Erfolg.

Was kann man einem Unternehmer also sagen? Welche Möglichkeiten hat eine einzelne Organisation, um Kosten und Nutzen im betrieblichen Brandschutz zu bewerten? Könnte ein Unternehmer aus den Eintrittswahrscheinlichkeiten der Versicherer etwas lernen?

Gehen wir noch einmal zurück zu der Aussage: „Bei uns hat es noch nie gebrannt.“

Was entgegnen Sie auf diese Aussage? Normalerweise hört man darauf so etwas wie „Na, dann sind Sie ja statistisch gesehen bald fällig.“ oder Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss.“ (OVG Münster, Az. 10 A 363/86)

Aber wann? Am Verhältnis der maximalen Schadenssumme, dem Maximum Probabel Loss (MPL), und der Versicherungsprämie kann man die Wahrscheinlichkeit ablesen, welche ein Versicherer zugrunde legt. Die jährliche Prämie ist im Promille-Bereich.

Geht man davon aus, dass die Prämie ein Promille des MPL beträgt, dann hat ein Gebäude statistisch betrachtet einmal alle 1.000 Jahre einen Totalschaden aufgrund eines Brandes. Manche werden nun sagen, 1‰ sei zu niedrig. Dann nehmen Sie eben 2‰ und sprechen Sie von 500 Jahren. In jedem Fall befinden wir uns im Promille-Bereich.

 

4.1 Die Bedeutung der Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Praxis

Folglich bringt den Unternehmer die Einschätzung der Schadenswahrscheinlichkeit für seine Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht weiter. Vielleicht brennt es bei dem Unternehmer statistisch gesehen nur alle 500 Jahre. Wenn er aber Pech hat, brennt es bei ihm noch heute. Und wenn er noch mehr Pech hat, dann brennt es bei ihm im nächsten Jahr – nachdem er seinen Betrieb gerade wieder aufgebaut hat – gleich noch einmal.

Das ist das Restrisiko. Das Schöne ist, dass er dann für die nächsten 1.000 Jahre wieder Ruhe hat. Statistisch gesehen.

Ist die Wahrscheinlichkeit für Katastrophen sehr niedrig, ist auch die Bereitschaft Vorsorgemaßnahmen zu treffen proportional genau so gering. Was ist aber, wenn der eigene Betrieb – allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz – betroffen ist? Naturgemäß sind die von Brandfüllen Betroffenen sehr überrascht. Das Restrisiko war doch so gering…

 

4.2 Schicksalsschläge

Ein paar Rettungsboote mehr, hätten den Reeder White Starline, bzw. den IMMC Trust, sicherlich nicht in den Ruin gestürzt. Der Untergang der Titanic und der damit verbundenen Image-Schaden jedoch schon. 1912 sank die Titanic und 1.504 Menschen fanden in den eisigen Fluten des Nord-Atlantiks den Tod. Drei Jahre später ging nicht nur die Reederei White Starline, sondern auch der dahinter stehende IMMC Trust Bankrott.

Was für den Reeder der Untergang eines Schiffes ist, ist für den produzierenden Unternehmer der Verlust der Produktion. Durch einen Brandfall, der den vollständigen Ausfall der Produktion nach sich zieht, wird eine Lawine ausgelöst.

Entwicklungslawine-1024x565

Bild 3: Massive Gefährdung ganzer Unternehmen durch lawinenartige Entwicklungen

 

Selbstverständlich hat das Unternehmen finanzielle Verluste. Damit hört es jedoch nicht auf. Das Unternehmen verliert auch Kunden. Mitarbeiter und Geschäftspartner verlieren das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Unternehmung und verlassen das Unternehmen.

Irgendwann ist das Management handlungsunfähig. Möglicherweise hat es in den Köpfen noch gute Ideen, wie es die durch den Schaden verursachten Probleme lösen könnte. Doch die Organe, welche zur Umsetzung der Ideen notwendig sind, fehlen – die Partner (Lieferanten, Banken etc.), die Mitarbeiter.

 

4.3 Schadensszenarien

Diese Darstellung von drastischen Szenarien kennt jeder, der schon einmal auf einem Brandschutzkongress war. PowerPoint-Folien mit Bildern von bis auf die Grundmauern abgebrannten Gebäuden fehlen hier in kaum einem Vortrag. Zum einen natürlich um Funktionen von baulichen oder technischen Brandschutzmaßnahmen darzustellen, zum anderen nutzen auch in der Brandschutzbranche tätige Vertriebsmitarbeiter derartige Bilder um Menschen emotional für ihre Sache zu gewinnen.

Der Gebäudebetreiber, der mit einer derartigen Darstellung konfrontiert wird, überlegt sich in der Regel jedoch dennoch und trotz der Emotionalisierung: „Wenn ich in Sicherheit investiere – was werde ich dafür erhalten?“ Idealerweise lässt sich das, was wir an Sicherheit gewinnen, dann auch in Euro messen.

Für Kaufleute ist es angenehmer, mit festen Größen rechnen zu können. Und diese Einstellung kann man niemandem verübeln. Man wird den Wert eines Menschenlebens nie kalkulieren können und natürlich ist jeder bis zu einem gewissen Grad für eine emotionale Darstellung empfänglich. Aber niemals wird sich ein Kaufmann ganz und gar auf weiche Faktoren einlassen. Völlig gleich, welch plastische Szenarien ihm präsentiert werden.

Ein Kaufmann rechnet gerne. Und wenn es um Investitionen geht, ist eine seiner beliebtesten Rechnungen die Rentenbarwertrechnung oder „klassische Investitionsrech-nung“. Diese Rechnung lernt der Betriebswirt im ersten Semester. Sie macht Kosten und Nutzen vergleichbar, wenn beides eindeutig identifizierbar ist.

Formel

In der Regel treten Kosten und Nutzen von Brandschutzmaßnahmen zu unterschied-lichen Zeitpunkten ein: Maßnahmen des baulichen Brandschutzes fordern zum Beispiel relativ hohe Investitionen zum Zeitpunkt des Baus eines Gebäudes. Jedoch wird der Nutzen der Maßnahme durch Reduktion des jährlichen Brandrisikos über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes erzielt.

Auf Basis des Kapitalwerts zukünftiger Einsparungen kann ein Vergleich von Kosten und Nutzen erfolgen.

ct = Einsparungen in künftigen Jahren
T = Betrachteter Zeithorizont
i = Diskontierungssatz

 

Der Kapitalwert „K“ kann als derjenige Betrag interpretiert werden, der heute zu einem Zinssatz i angelegt werden müsste um eine künftige Rendite in Höhe der Einsparungen „ct“ zu ermöglichen.

Die klassische Investitionsrechnung ist eindeutig und wird anerkannt. Dies sind ihre Stärken. Ihre Schwäche jedoch ist, dass sie davon abhängig ist, was wir als „Rückflüsse“ – als ct – annehmen.

Wenn Sie eine alte Brandmeldeanlage gegen eine neue austauschen möchten und sich dabei die künftigen Wartungskosten reduzieren – zum Beispiel weil Ansaugrauchmelder anstelle punktförmiger Melder verwendet werden – dann ist die Ersparnis eindeutig. Möchten Sie aber eine Brandmeldeanlage erstmalig in einem Gebäude installieren und fragen nach dem Äquivalent der Risikoreduktion in Euro, dann wird es schwierig. Denn hier spielen unterschiedlichste Faktoren eine immense Rolle: schwankende Lagerbestände, Art der gelagerten Ware, Redundanzen etc.

Einzuschätzen, wie viel eine Reduktion des Risikos in Euro wert ist, ist keine einfache Angelegenheit. Mit diesem Problem ist man im Brandschutz jedoch nicht alleine – auch angrenzende Branchen stehen immer wieder vor diesem Dilemma.

Im Jahr 2002 präsentierte Scott Berinato einen neuen Ansatz für die Welt der IT-Security. Er zielt auf die qualitative Bewerbung von Faktoren ab. Berinato ergänzte die klassische „Return on Investment“ (ROI) Rechnung um quantifizierte „weiche Faktoren“. Er nennt sein Model liebevoll „ROSI“.

 

Formel2

 

Der Return on Security Investment ergibt sich nach Berinato durch:

  • Die jährliche Schadensbelastung in Euro (= Einzelschadensumme x Anzahl der jährlichen Schäden)
  • Die jährliche Risikoreduktion (durch die Lösung)
  • Lösungskosten pro Jahr (Investition, Wartung, Personal, usw.)

 

Wie auch bei der Investitionskostenrechnung: belassen wir es bei der Formel. Zwar machen Beispielrechnungen einem erst wirklich klar, wie diese Rechnungen funk-tionieren. Doch das ist nicht mein Punkt. Mein Punkt ist aufzuzeigen, dass uns alle Berechnungen – welche wir auch wählen – immer wieder zu der gleichen Frage führen: „Was ist die Reduktion des Risikos wert?“ Und hier kommt man mit keinem der gängigen Ansätze weiter.

Was verlangt ROSI? Wie hoch ist die Schadensbelastung pro Jahr? Was antwortet der Brandschutz? Das kommt darauf an. Wir wissen es nicht und für ein Einzelschicksal können wir es auch nicht aus Statistiken ableiten. Wie hoch ist die Risikominimierung? Bis zu einem gewissen Grad können wir das über Ingenieurmethoden formulieren. Auch die Lösungskosten lassen sich quantifizieren. Aber beim maximalen Schaden, welcher die Basis für jegliche Rechnung bildet, wird es schwer. Der versicherte Wert greift zu kurz.

 

5. Was ist also der Wert von Brandschutz? Und wie können wir diesen messen?

Sicherheit ist per se kein Zustand. Sicherheit ist ein Gefühl. Der Mensch fühlt sich in Anbetracht seiner individuellen Situation relativ sicher oder relativ unsicher. Über das Maß von angemessener Sicherheit zu streiten führt genau aus diesem Grund zu keinem brauchbaren Ergebnis.

Gesetzliche Rahmenbedingungen sind existent. Sie zu vernachlässigen kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Investitionen in den Brandschutz darüber hinaus – z. B. für betriebliche Rechenzentren – haben ihren Ursprung in der Risikobetrachtung des jeweiligen Betreibers. Offensichtlich ist je nach dem Wert der gespeicherten Daten die im Vergleich zum potenziellen Schaden relativ niedrige Investition in den Brandschutz sinnvoll.

Die Reduktion seines Risikos ist dem Entscheider in diesem Fall also bares Geld wert. Komplizierter wird die Entscheidung zugegebenermaßen, wenn wir es nicht mehr mit nur einem Entscheider, sondern mit mehreren Personen zu tun haben, die das Risiko eines Brandes und die wirtschaftlichen Folgen aus einem solchen bewerten wollen.

In einem solchen, in der Praxis häufig anzutreffenden Fall, kann eine Risikobewertung ausschließlich über einen Konsens der an einer Entscheidung mitwirkenden Personen erreicht werden. Es muss Einigkeit herrschen hinsichtlich der Einschätzung von Wahrscheinlichkeit und Schadensausmaß.

Die Konsensfindung ist zugegebenermaßen mit vielen Fallstricken versehen. Insbesondere wenn Entscheider, die maßgeblich an der Einschätzung von Schadensausmaß bzw. Eintrittswahrscheinlichkeit mitgearbeitet haben, das Unternehmen verlassen oder in einen anderen Bereich wechseln. Der Nachfolger wird in aller Regel die Einschätzung seines Vorgängers nicht genauso teilen. Dies ist der oben genannten, sehr individuellen Perspektive auf das „Gefühl Sicherheit“ geschuldet. Hieraus folgt, dass eine Risikoanalyse keine einmalige Aktion, sondern vielmehr ein periodische Managementaufgabe ist.

Brandschutz lässt sich also rechnen. Zwar nicht ganz so einfach und linear, wie man sich das wünschen würde. Sondern vielmehr mit persönlichen Einschätzungen einer oder mehrerer Personen.

Aus der Praxis unserer Workshops, die wir zu diesem Thema mit unseren Kunden durchführen, stellt sich immer wieder folgendes heraus: Die Risikobereitschaft einzelner Personen unterscheidet sich ganz erheblich. Dies macht die Konsensfindung besonders anspruchsvoll und führt nicht selten zu grundlegenden Fragen individueller Wertevorstellungen.

Letzten Endes wird im Prozess einer solchen Bewertung klar: mit der Entscheidung über brandschutztechnische Investitionen treffen wir eine Aussage zu unternehmerischer Risikobereitschaft, weitsichtigem und verantwortungsvollem Betreiben im Sinne eines Business Continuity Management und dem Maß an gesellschaftlicher Verantwortung, dass die Entscheider zu tragen bereit sind.