Wohin mit dem Rauch?

Eine Ausnahmesituation für Besucher, Mitarbeiter und Betreiber: Es brennt!

Bei einem Brand in einem Gebäude ist nicht das Feuer das Gefährlichste, sondern es sind die dabei entstehenden Brandgase bzw. der Brandrauch. Je nachdem was in einer  Nutzungseinheit brennt (Brandlast), entstehen verschiedene Brandgase, die zum einen ätzend für die Haut sein können, oder zum anderen lebensbedrohliche Verletzungen in den Atemwegen verursachen. Das Hauptprodukt einer Verbrennung ist meistens Kohlenmonoxid (CO). Drei bis vier Atemzüge des Stoffes CO reichen aus, um die Chancen, dass Gebäude noch lebend zu verlassen, auf nahezu null Prozent sinken zu lassen.

Umso wichtiger ist es, dass Rauchgase aus Fluchtwege schnell abgezogen werden

Ein rascher Rauchabzug vermindert die Gefahr vorm Ersticken und stellt weiterhin eine gute Sicht sicher, damit Rettungswege noch zu erkennen sind. Die gute Sicht kommt nicht nur den flüchtenden Personen zugute, auch die Rettungskräften brauchen eine gute Sicht für einen erfolgreichen Einsatz und verhindern durch einen Rauch- und Wärmeabzug auch Nach- und Durchzündungen.

Deswegen ist der Rauch- und Wärmeabzug, neben der Brandmeldeanlage ein wichtiger Bestandteil des vorbeugenden technischen Brandschutzes. In Sonderbauten sind Rauch- und Wärmeabzugsanlagen gesetzlich vorgeschrieben, die Landesbauordnungen schreiben aber auch in notwendigen Treppenräumen einen RWA vor.  

Es gibt verschiedene Arten der Rauch- und Wärmeabzugsanlagen:
  • natürliche Rauchabzugsanlagen (NRA)

Thermisches Auftriebsprinzip, ohne maschinelle Unterstützung.

  • maschinelle Rauchabzugsanlagen (MRA)

Rauch- und Wärmeabzug mit motorischem Antrieb (z.B. Rauchgasventilatoren).

  • Rauch-Differenzdruckanlagen (RDA)

(Mit Überdruck wird ein bestimmter Bereich von Rauch freigehalten. Zum Beispiel:)

  • Aufzugsschächte (z.B. Feuerwehraufzüge)
  • Garagenentrauchungen
  • Wärmeabzüge (WA)

Eine Öffnung in der Wand oder in der Dachfläche die erst bei einer bestimmten Temperatur öffnet, beispielsweise durch abschmelzen von thermoplastischen Dachlicht-Elementen.

Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsanlagen können pneumatisch oder elektrisch angesteuert werden.

Vor- und Nachteile?

Die Vor- und Nachteile lassen sich ganz einfach darstellen:

Pneumatische Rauch- und Wärmeabzugsanlagen

Pro

  • Keine E30-Verkabelung notwendig
  • relativ schnell umsetzbar

Kontra

  • hoher Wartungsaufwand
  • hohe Kosten bei einem Fehlalarm, da z.B. Lichtkuppeln in der Dachfläche von Hand wieder geschlossen werden müssen
  • erhöht dadurch die Gefahr eines Wasserschadens durch Regeneinfall
  • Öffnungen können nicht zur Raumbelüftung genutzt werden
Elektrische Rauch- und Wärmeabzüge

Pro

  • geringer Wartungsaufwand
  • die Anlage kann auch zur Raumbelüftung genutzt werden
  • nach einem Fehlalarm lassen sich beispielsweise die Lichtkuppeln leicht wieder verschließen
  • verringert daher die Gefahr eines Wasserschadens durch Regeneinfall

Kontra

  • meistens E30 Verkabelung erforderlich
  • daher erhöhter Installationsaufwand

Anlagen mit einer pneumatischen Auslösung haben geringere Anschaffungskosten, sind dafür in der Wartung und Inspektion aufwendiger.  Anlagen mit elektrischen Auslösungen dagegen können in der Anschaffung höhere Kosten verursachen, sind aber leichter zu warten.  Langfristig betrachtet ist die Anlage mit elektrischem Antrieb kostengünstiger und der Nutzen ist größer, da man die Anlage auch zur Raumlüftung nutzen kann.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Sicherheit vor einem Wasserschaden. Stehen unter den anzusteuernden Lichtkuppeln hochwertige Industrieanlagen, die bei einem Ausfall einen großen Wirtschaftlichen Schaden verursachen können, sollten die Kuppeln schnell wieder geschlossen werden können, wenn es sich

  1. nur um einen Fehlalarm handelt und
  2. wenn starker Niederschlag herrscht.

Geplant werden Rauch- und Wärmeabzugsanlagen nach DIN 18232

Risiko Bestandsanlagen

Viele Gebäude wurden damals bereits mit einer Rauch- und Wärmeabzugsanlage ausgestattet. Unterstützt vielleicht von einer vorhanden Brandmeldeanlage, die nach einer Detektion von Rauch, die RWA automatisch ansteuert. Klingt fürs Erste ausreichend. Wichtig ist, dass man neben den Wartungen der Anlagen, regelmäßig eine Wirkprinzip-Prüfung unternimmt, in welcher man die Wechselwirkung der verschiedenen Anlagen testet.

  • wann löst die Brandmeldeanlage aus?
  • werden die Rauch- und Wärmeabzugsanlagen richtig angesteuert?
  • werden Lüftungsanlagen (ggf.) abgeschalten
  • usw.

Für ein hundertprozentiges Ergebnis sorgt zusätzlich eine Brandrauch Simulation nach VDI 60910. So lässt sich in Echtzeit prüfen, wie sich der Rauch im Raum bewegt und ob er schnell genug abgezogen wird. Nicht zu selten wurden bei diesen Prüfungen festgestellt, dass die RWA, trotz regelmäßigen Wartungen, erhebliche Mängel aufweisen:

  • Lichtkuppeln öffnen nicht oder fahren nicht komplett auf
  • die Ansteuerung durch die Brandmeldeanlage erfolgt nicht
  • Lichtkuppeln reißen aus, Scharniere lassen sich nicht mehr schließen

um nur drei Beispiele aufzuzählen.

Autor Peter Dupach

Haben Sie Fragen rund um die Planung und Umsetzung einer RWA? Kontaktieren Sie uns am besten heute noch und profitieren Sie von unseren langjährigen Erfahrungen  sowohl im technischen als auch im baulichen Brandschutz.